Am 9. Februar 2016, dem Faschingsdienstag, stießen gegen 6:45 Uhr zwei Regionalzüge frontal zusammen. Sie waren zuvor auf der eingleisigen Strecke mit voller Fahrt aufeinander zugefahren. Zwölf Menschen kamen ums Leben, die meisten von
ihnen aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein. 89 weitere wurden verletzt.
Ein Fahrdienstleiter wurde später wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ermittlungen ergaben, dass das Zugunglück auf menschliches Versagen zurückging: Der Fahrdienstleiter hatte die Strecke freigegeben, obwohl sie der Gegenzug noch nicht passiert hatte, und war dabei durch ein Handyspiel abgelenkt. Zwar bemerkte er seinen Fehler und betätigte einen Alarmknopf – jedoch den falschen.
Zum 10. Jahrestag findet heute Vormittag (10 Uhr) in der Pfarrkirche St. Georg in Bad Aibling ein Gedenkgottesdienst statt. Anschließend ist an der Erinnerungsskulptur in der Nähe der Unglücksstelle eine Gedenkveranstaltung geplant, bei der Landtagspräsidentin Ilse Aigner um 11:30 Uhr eine Ansprache halten wird.
So erinnert sich ein Überlebender an das Zugunglück
Als die beiden Züge am 9. Februar 2016 zusammenstoßen, sitzt auch Thomas Staudinger aus Bad Aibling in einem der Züge. Er erinnert sich folgendermaßen an das Unglück:
Es war eigentlich ein ganz normaler Tag. Ich bin in den Zug eingestiegen, habe mich hingesetzt, und eine Minute später hat es dann auch schon gekracht. In dem Moment, wo es kracht, sind einfach die Gedanken aus. Ich bin dann ein paar Sekunden bewusstlos gewesen, bin dann so zu mir gekommen, hab dann aus dem Fenster rausgeschaut und hab dann lauter Metall und lauter Bruchstücke gesehen und konnte es gar nicht einordnen, was das jetzt genau sein soll. Also ich hab auch null daran gedacht, dass da zwei Züge gerade zusammengekracht sind. Ich dachte eher, wir sind einfach entgleist. Das war mein Gedanke als erstes.
Nach acht Minuten trifft bereits die Feuerwehr an der Unglücksstelle ein – doch für die Betroffenen hat es sich deutlich länger angefühlt, schildert Staudinger weiter. Er und die anderen in seinem Umfeld seien instinktiv im Zug geblieben, weil sie nicht wussten, ob durch den Strom auf den Schienen Gefahr besteht. Ein Feuerwehrmann habe dann alle, die gehen konnten, aus dem Zug hinausbegleitet. Auch an die Tage nach dem Unglück erinnert sich Staudinger gut:
Die ersten Tage, die waren schon sehr schlimm. Also ich bin immer wieder nachts aufgewacht und habe immer wieder diesen Knall gehört, auch wenn ich den im Zug selber gar nicht wahrgenommen habe. Im Nachhinein war ich sehr schreckhaft, wenn irgendwas runtergefallen ist oder irgendwas laut war. Zum Beispiel gibt es eine Situation, wo ich noch weiß, wie ich dann ins Krankenhaus gefahren wurde. Und wir sind dann im Rosenheimer Krankenhaus ins Parkhaus gefahren, und die schwere Brandschutztür ist dann zugefallen. Und ohne, dass ich irgendwas machen konnte, bin ich da dann zusammengebrochen und erstmal am Boden gewesen, weil durch diesen Knall hat es einfach so eine Schutzreaktion vom Körper gegeben, denke ich mal. Also das war schon am Anfang sehr schlimm – auch die Tage und Wochen danach dann immer wieder aufgeschreckt in der Nacht. Aber ich habe dann eine posttraumatische Belastungstherapie gemacht und habe das eigentlich jetzt gut überwunden.